Somit konnte es also losgehen. 3,5h Busfahrt mit dem Greyhound nach Vancouver, versuesst mit einem kleinen, aber feinen Hoerbuch, gelesen von Christoph Maria Herbst: “Resturlaub”…Danke Dir, Paul!
Der erste, aber doch zu kurze Eindruck von Vancouver war angenehmer als Seattle. Die Stadt liegt sowohl direkt am Meer als auch direkt am Rand der Berge. Ich glaub’, zu Zeiten der Stadtgruendung in den 1860ern durfte sich jemand etwas wuenschen. Anders ist diese traumhafte Lage nicht zu erklaeren. Nicht umsonst zaehlt sie zu den lebenswertesten Staedten unserer Erde.
Mehr als dieser erste Eindruck war jedoch erst einmal nicht drin, denn die Faehre nach Roberts Creek musste ich unbedingt noch bekommen. Dennoch wollte, beim Anblick dieser wunderbaren Landschaft, dieses in Stein gemeisselte Grinsen einfach nicht aus meinem Gesicht verschwinden.
Im Hostel angekommen, fand ich zwar beleuchtete Zimmer vor, jedoch niemanden, der mir auf meinen fragenden Ruf eine Antwort geben wollte…das schien der Beweis gewesen zu sein, den auch schon Michael Moore in “Stupid White Men” angestellt hat: In den Staaten verschanzen sie sich (Kombinationscode an der Eingangstuer des Hostels in Seattle) und in Kanada stehen die Tueren offen…selbst um 1:00 Uhr nachts.
Und fuer mein Maerchenhaus, welches mir in den kommenden Wochen eine gute Bleibe sein wird, habe ich eigentlich nur ein Wort parat: Knuffig!
Nachdem ich erstmal ausgiebigst ausgeschlafen und im einzigen, aber dennoch sehr leckeren Restaurant des Ortes: “Gumboot” ordentlich gefruehstueckt hatte, wollte ich nur mal kurz bei meiner Schreinerschule Inside Passage – School of Fine Woodworking vorbeischauen, um fuer Montag eingestimmt zu sein. Diese liegt gleich hinter dem Gumboot und hatte gluecklicherweise auch geoeffnet. Dass meine Nacharbeit der verlorengegangen ersten Woche des Artisan Programms gleich hier und jetzt starten wuerde, hatte ich jedoch so in meiner Tagesplanung nicht vorgesehen. Aber es war zu verlockend und der Strand wuerde auch nicht weglaufen.
Nach einer kurzen “Hausbegehung” ging’s gleich ans Klingenschleifen und -Schaerfen fuer den Hobel.
“…Wie jetzt?!? Ich hab’ doch aber fuer den Kurs und somit auch fuer die Nutzung betriebstuechtiger Werkzeuge bezahlt! Oder hab’ ich nicht…?”
“Nein, Du Schreibtisch-Taeter, hast Du nicht!”
Es stellte sich heraus, dass der ladenfertige Schliff von Stechbeiteln und Klingen aller Art hier nicht fuer scharf genug erachtet wird und somit noch einmal einer Nacharbeit bedurfte. Diese hatte ich dann nach einigen lehrreichen Fehlern am Dienstag beendet. Der Hammer fiel jedoch fuer mich bereits am Samstag, um 17:00 Uhr. Zur Ablenkung und Entspannung vom wirklich programmfuellenden Arbeitstag verbrachten Silke und Pamela aus Deutschland, Eric aus Quebec und ich den Abend bei leckerem Wein im Gumboot. Anschliessend wurde noch der Hot Tub, eine Art Whirlpool, in unserem Hostel eingeweiht.
Und dann, am Sonntag! Lenzen in der Haengematte auf unserer Terasse bei wunderbarem Sonnenwetter! Da las sich mein Ordner mit den Lernunterlagen fuer die kommende Woche in der Schreinerschule gleich doppelt so schnell. Dass ich jedoch trotz meines Woerterbuches nur die Einfuehrung und den organisatorischen Teil zum Artisan Programm verstand, nicht jedoch den Part zum Thema “Woodworking”, welcher mir reichlich unerschlossen blieb, liess mich dann doch ein wenig unruhig werden. So haette ich jedenfalls keinen Hobel bauen koennen!
Ein erster Besuch des Strandes mit meinem “neuen” Drahtesel brachte mir dann jedoch meine Enspannung zurueck. Nicht umsonst heisst dieses Fleckchen Erde hier “Sunshine Coast”.
Popularity: 47% [?]

