An diesem Sonntag aufgestanden sind wir dann relativ frueh, um nicht das Paerchen zu verpassen oder um vielleicht noch eine fruehere Mitfahrt am Parkplatz abzugreifen, denn am Wochenende kommen viele Tagesausfluegler zum Cape Scott Trail.
Eigentlich wollten wir Doug um etwas heisses Wasser fuer unsere Fruehstueckstuete fragen, doch schwups, da war er auch schon mit einer Kanne heissem Wasser und dann nochmal fuer unsere Morgentoilette. Ich sag ja, zum Knuddeln. Noch ein Abschiedsfoto mit ihm und ein Versprechen, dass ich ihm eine Ansichtskarte aus Deutschland zuschicke. Dann ab zum Parkplatz.
Dort machten wir es uns im Sonnenschein bequem und warteten auf unsere Goenner. Ab und an fragten wir Abfahrende, welche jedoch keine Moeglichkeit hatten uns mitzunehmen. Und es wurde 12:00 Uhr und unsere Goenner wollten nicht kommen. Gluecklicherweise tauchte das Paerchen, mit welchem wir bereits am Morgen ins Gespraech gekommen waren und welches nur eine kurze Runde drehen wollte, auf. Sie hatten zwar nur einen kleinen Pick-Up mit Aufbau (vgl. Mit VW Caddy) vollgepackt mit Tauchequipment, aber auf der Notruecksitzbank war noch Platz fuer uns. Die beiden wollten heute Nachmittag von Port Hardy aus auf eine einwoechige Tauchtour gehen. Genau dort, wo auch unser Mietwagen stand.
Die Fahrt war dann auch sehr unterhaltsam und einen superleckeren, selbstgebackenen Kuchen hatten sie auch dabei. Wenn man so tagelang etwas enthaltsam gelebt hat, dann ist das wie Schlaraffenland! Unterwegs auf der 60 km langen Strecke kamen wir dann noch an einem Baum, vollgehangen mit Schuhen und Stiefeln, vorbei. Auf dem am Baum angeschlagenen Schild stand: “Isn´t it time? Jesus is waiting! Give him your soul. 949-6466.” Dass all die Leute nicht ihre Seele, sondern ihre Schuhe und Stiefel daliessen, ist auch mal eine nette Symbolik. Denn nach diesem Trail gibt man in Form seiner Schuhe wohl wirklich ein Stueck Seele! Soweit die Fuesse tragen und noch ein Stueckchen weiter.
In Port Hardy angekommen dankten wir den beiden noch einmal und suchten sofort den naechsten Imbiss auf. Ein ordentlicher Seelachs-Burger (Salmon Burger) stand auf der Wunschliste gaaaanz oben. Zivilisation, Essen, fliessend Wasser, saubere Haende, Autoheizung…welch´ Annehmlichkeiten…um nur einige zu nennen.
Die Ruecktour mit dem Mietwagen nach Nanaimo verlief reibungslos und die letzte Faehre von dort in die Horseshoe Bay / Vancouver haben wir auch noch geschafft, welches in Begleitung eines schoenen Sonnenunterganges auch nicht weiter schwer faellt. Auf der Faehre haben wir dann noch eine achtkoepfige Gruppe vom West Coast Trail getroffen. Die verdreckten Rucksaecke lehnten an der Bordwand. Sie hatten jeden Tag Regen: arme Schweine, nicht ein bisschen Belohnung. Obwohl, wer´s mag? Siehe Marnie!
In Marnie´s Haus so gegen 22:30 Uhr angekommen, beschloss Marnie Ihren Plan, noch auf eine Abschiedsparty zu gehen, ueber Bord zu werfen. Erstmal alle Klamotten auspacken und die erste Waschmaschine ansetzen. Ich putzte derweil schon einmal unsere Stiefel und stopfte sie anschliessend mit Zeitungspapier aus, bevor ich im Wohnzimmer auf der Couch ubermuedet einschlief.
Aber es war eine gute und durchaus zu bewaeltigende Erfahrung. Meine Ausruestung hat soweit gepasst und Ihren Zweck erfuellt – bis auf die Gamaschen, die werden gegen ordentliche gleich morgen hier in Vancouver umgetauscht – und wir haben einen unterhaltsamen Trail gehabt. Die meisten Huerden warteten nicht auf dem Trail auf uns, sondern, um mal fuer mich zu sprechen, vielmehr in meinem eigenen Kopf, in meiner eigenen Gedankenwelt. Wenn, dann habe ich mir selbst einen verregneten, miesepetrigen Tag zu Beginn des Trails kreiirt. Marnie hingegen genoss es scheinbar die ganze Zeit…
Und um nicht weiter ins Philosophieren zu verfallen, hier ein paar Gedanken, welche mich vor ein paar Tagen von einer Freundin erreichten: “Einfach zu versuchen nur noch über schöne Dinge nachzudenken, zu sprechen und zu schreiben, damit alles Negative keine Energie erhält. Den unschönen Rest lediglich als Kontrastmittel versuchen zu sehen, ohne ihm große Aufmerksam zu schenken!”
Mal schauen, ob ich das auch kann. Die kommenden Wochen werden es zeigen…letztendlich sind wir doch alle Schoepfer unserer eigenen Welt!
Lieber Gruss aus Vancouver > British Columbia > Kanada.
Popularity: 20% [?]


