Mittwoch, 17.09.2008
Nachdem Carolina und Beatriz mich abends zum Busterminal in Caracas brachten und ich in den Bus stieg, gab´s erstmal ´nen ordentlichen Anranzer vom Busfahrer. Ich hatte es gewagt im Bus zu essen. Jedenfalls dachte ich das zu diesem Zeitpunkt, denn er kam augenblicklich in unsere Fahrgastkabine, nachdem er mich von draussen essen sah. Spaeter wurde mir aber klar warum er solch´ein Aufhebens machte. Ich hatte die Gardine geoeffnet. Und diese soll waehrend der Nachtfahrt immer geschlossen sein, da sonst erkennbar waere, dass der Bus voll mit Fahrgaesten und somit potentielles Opfer fuer irgendwelche Ueberfallversuche ist. Erste Lektion! Da ich aber nur die Haelfte seiner kraftvollen Ansprache verstand, war es auch nur halb so schlimm. Ich schloss die Gardine wieder, ruehrte sie bis zum Morgengrauen nicht mehr an und gut war´s.
Die ersten tafelbergartigen Gebirgszuege, auch Tepuys genannt, kommen in Sichtweite. Sie sind ueberzogen von jeder Menge Gruen: tropischer Regenwald. Und ab und an kann man auch die Wasserfaelle an den Flanken der Tepuys hinunterfliessen sehen. Ich bin da…Canaima!
Nach der Ankunft konnte ich mich erst einmal im Lager schoen in eine Haengematte luemmeln, solange wie die anderen noch auf sich warten liessen. Zum Mittag waren wir dann vereint: Cris und Alicia aus Spanien, Jack aus Kanada und Joe aus Australien. Und wir waren alle in einer Altersgruppe…das wird guuuut!
Am Nachmittag ging´s dann auf die erste Tour mit unserem Guide Vladimir zu den Sapo Falls (span.: Salto Sapo). Dies sind terassenartige Wasserfaelle, welche ca. 200-300m breit sein muessten…gemessen habe ich nicht. Zuerst konnten wir auf unserer Tour unter ihnen hindurchlaufen, um dann auf dem Rueckweg den wunderschoenen Blick von oben ueber die Canaima Lagune zu haben. Zum Abschluss gab´s dann noch das Bad in der Lagune. Yes! Die Kulisse mit den Wasserfaellen und der immergruenen Natur um uns herum war einfach nur klasse.
Es stellte sich heraus, dass sich da eine wirklich lustige Truppe zusammengefunden hatte und so wurde es dann auch entsprechend spaet, bis wir in unseren Betten oder Haengematten verschwanden.
Apropos Haengematte: Einige schwoeren ja drauf, aber dieses Experiment wollte ich in der ersten Nacht nicht gleich eingehen. Dafuer war mir mein Schlaf zu wichtig und zu heilig. In der zweiten Nacht am Angel Fall muessten wir ja eh drin schlafen. Dann weiss ich auch wie et is.
Freitagmorgen. Ab geht´s mit dem Longboat vier Stunden flussaufwaerts zum hoechsten Wasserfall der Welt: Salto Angel (Angel Fall). 972m faellt das Wasser in die Tiefe, bevor es in eine (wohl) wunderschoene Lagune speist.
Aber genug der Holzraspelei…nach 2 der 4 Stunden auf den harten Sitzbrettern hatte die geschlossene Mannschaft taube “Aersche”. ´Tschuldigung fuer die ruede Wortwahl, aber so war´s! Nur die Rapidos (Stromschnellen) und die folglich entstehenden etwas groesseren Wasserspritzerchen versuessten uns unser Dasein. Da wird auch schon einmal auf den weiblichen Bankreihen hinter mir gejuchzt! Und dann kamen wir den Tepuys naeher. Noch eine Biege des Flussarmes und wir schauen ca. 1.200m geradewegs in die Hoehe. Zumal sich nun auch die Sonne hinzugesellte. Was ein Anblick. Genau deswegen wollte ich die ganze Zeit nach Venezuela.
Etwa eine Stunde spaeter erschien dann auch nach einer Rechtskurve Salto Angel…ein Raunen ging durch die Bankreihen. Hier ein Wow! Da ein Uuuuh! Das ist er also.
45 Minuten spaeter standen wir dann am Aussichtspunkt des Salto Angel. Fuer die Lagune, in der man auch Baden kann, so meinte Carolina in Caracas zu mir spaeter, war es wohl schon zu spaet fuer uns. Aber quasi bekamen wir ja trotzdem unser Bad, da feiner Nieselregen vom Wasserfall hier bei uns in ca. 1km Entfernung ueber uns herniederging. Imposanter Anblick!
Auf unserem kleinen Fussmarsch durch den Dschungel zurueck in unser Nachtlager bemerkte ich erst einmal, dass Vladimir die ganze Zeit barfuss hier umherst…AU! Mist-Ameisen…die koennen aber auch rumgarsten! Ich glaube, die halbe Gruppe schrie einer nach dem anderen auf, als wir einen kleinen Ameisen-Highway ueberquerten. Nur Vladimir nicht…der grinste nur schelmisch.
Im Lager angekommen hatten unsere anderen Guides schon das Abendessen bereitet. Vladimir bot uns noch an, uns am kommenden Morgen bereits um 5:30 Uhr aus den Haengematten zu holen, um den Sonnenaufgang mit Salto Angel sehen zu koennen. Denn unser Nachtlager lag am Fluss direkt gegenueber von Salto Angel. Da ist mir die fruehe Morgenstund´ doch recht. Denn, nur “der fruehe Vogel faengt den Wurm”, gell Arne-Schnuerschuh!?!
Also ging´s auch entsprechend frueh in die Haengematten. Dass es hierfuer auch eine Strategie des Liegens gibt, wurde mir erst Tage spaeter mitgeteilt. Demnach lag ich nicht diagonal, wie empfohlen, sondern schoen der Laenge nach und schoen durchgebogen drin. Sagen wir es mal so: Et giing, ne!
Samstagmorgen, Vladimir holte uns puenktlich raus. Und er hatte nicht zuviel versprochen. Noch war nur die Bergkuppe des Salto Angel in Sonnenlicht gehuellt. Aber mit jeder Minute wanderte die Sonne tiefer und tiefer. Schnell die Kamera raus, um ja nix zu verpassen! Gleich ein Foto…noch eins…und noch eins…ja, nun is aba auch gut, ne…nee, noch eins! Ich glaub´, ich habe nach einer Stunde das letzte Foto gemacht. Einfach, weil von Minute zu Minute die Sicht immer besser wurde. Zum Schluss konnte man in weiter Entfernung am Gipfel sogar einen kleinen Regenbogen, der sich ueber den Wasserfall legte, ausmachen. Gigantisch!
Aber irgendwann mussten wir ja auch wieder zurueck…also konnte ich vom Ufer her auch schon die Rufe nach meinem Namen der anderen hoeren. Natuerlich, Opa Langbein ist mal wieder Bummelletzter! Diesmal hatte ich aber sozusagen einen fotografischen Freibrief/Backstage-Pass. Haeh!
Auf dem Weg zurueck warteten dann wieder unsere Rapidos auf uns. Aber was machen denn unsere Guides? Warum ziehen die sich auf einmal ihre Regenpelle an? Oh, noeoe! Schlimmer als gestern??? Aaaah! Festhalten und Wasserschatten im Ruecken meines Guides suchen. Es half nichts. Wir donnerten quasi durch die Rapidos, denn wir fuhren ja nunmal schneller als gestern…flussabwaerts halt!
Aber bei all der Sonne, die uns den gesamten Vormittag begleitete, waren die Fluten dann doch schon eher Abkuehlung, denn ungewolltes Uebel. Und ausserdem bereiteten sie uns auf unsere kleine Planscheinlage in einem natuerlichen Pool, am Rande des Flusses, vor. Wie herrlich ist das denn! Gleichmal mit ´ner Bombe die Badestunde eroeffnet!
Zur Mittagszeit waren wir dann auch schon wieder zurueck. Sachen zusammenpacken. Esse fasse. Und wieder ab in den Flieger nach Ciudad Bolivar. Nach gut einer Stunde Flug und ein paar Luftloeoeoeoechern mehr, standen wir nun wieder in der Zivilisation. Da ich noch 3 Stunden bis zur Abfahrt meines Nachtbusses nach Caracas hatte, begleitete ich die vier noch zu ihrer Bleibe: Posada Don Carlos.
Als ich jedoch dieses spanische Kolonialhaus mit seinen beiden Innenhoefen von innen gesehen hatte, entschloss ich mich, auch noch zu bleiben. Das musste jetzt mal noch sein.
Das mit der Ticketaenderung lief zwar am kommenden Tag nicht ganz so nach meinen Vorstellungen: es war Sonntag und viele Berufstaetige wollten wohl auch ueber Sonntagnacht zu Montag nach Caracas fahren. Pendler, tsiss! ;o) Das kommt davon, wenn man schon nicht mal mehr weiss welcher Wochentag ist. Jack & Joe sind dann am Sonntag schon nach Merida zum Bergsteigen gefahren und Cris & Alicia sind am Montagmorgen zum Orinoco-Delta aufgebrochen. Bis zu meiner Abreise, am Montagabend, liess ich es mir aber trotzdem im Posada gutgehen. Dafuer hatte Paul, ein belgischer Ex-Pilot, ein zu schoenes Reich geschaffen. Und ein paar nette Backpacker waren ja auch noch im Hause. Die Rueckreise nach Caracas verlief dann ohne weitere Vorkommnisse fuer unseren Reisegast Nitze.
Dieser Nationalpark in Canaima ist einfach eine Reise wert! Die Natur ist einfach umwerfend. Wir waeren gern noch 1 oder 2 tage laenger zum Entspannen und Baden geblieben.
Mit Jack hatte ich noch ausgemacht, dass wir uns wohl in Lima wiedersehen und dann zusammen in Peru & Bolivien herumreisen wuerden. We´ll see!
Popularity: 21% [?]


