Nachdem ich meinen sonnigen Ruhetag zwischen dem North Coast Trail und der Tour in die Rockies in Vancouver genoss, ging es am Dienstagmorgen auch gleich mit dem 20-Sitzer in Richtung Osten. Ich hatte mich fuer die viertaegige Coho-Tour mit Moose Tours entschieden. Diese wuerde uns am ersten Tag von Vancouver nach Scotch Creek am Shuswap Lake bringen. Auf dem Weg dorthin hiessen die Stationen Bridal Veil Falls (Wasserfaelle), Hope (Drehort von Rambo 1…wen´s interessiert?!?) und die ersten wirklichen Berge waren zu bestaunen…Cascade Mountains. Die ersten Vorboten der kanadischen Rocky Mountains.Am zweiten Tag ging´s dann vom Shuswap Lake endlich in die Rockies…Banff Downtown war das erklaerte Etappenziel.
Doch bevor wir dort einreiten sollten, hielt Jason neben seiner fantastischen Playlist auf seinem iPod noch ein vier kleine Natural-Sehenswuerdigkeiten in Form von Nationalparks fuer uns bereit. Nach dem Mittagessen konnten wir uns unsere Fuesse auf dem Skunk Cabbage Boardwalk im Mount Revelstoke Nationalpark vertreten. Diesem folgte dann nach einer kurzen Weiterfahrt der Rogers Pass mit seinem Informationszentrum zum Thema Wildleben, Lawinengefahr und die ersten Schritte im Glacier National Park. Zum ersten Mal ueberkam mich eine kleine Gaensehaut…ich in den Rockies…wow!
Danach bekamen wir die Natural Bridge und den aquamarinfarbenen Emerald Lake im Yoho National Park zu Gesicht. Dies ist der wohl groesste und schoenste Nationalpark von British Columbia in den Rockies. Denn die Highlights liegen dann auch schon im Bundesstaat Alberta: Banff und Jasper National Park.
Da wir dort in Banff bereits in der Daemmerung einfuhren, konnten wir zwar noch die schneebedeckten Gipfel entdecken – wow, im August – aber mussten beim Aussteigen dann auch gleich die erste thermale Backpfeife hinnehmen…geschlagene -1°C! Nochmal: Im August! Spaeter bekamen wir auch noch das ganze “Elend” dieses High Society-Skiortes in den Rockies mitgeteilt: die armen Schweine bekommen im Hochsommer nicht mehr als 20°C! Also, da moechte man wirklich nur zum Wintersport herkommen. Sommerurlaub saehe anders fuer mich aus.
Dritter Tag. Die ca. 250km Tour von Banff ueber den Icefields Parkway nach Jasper stand an. Erste Station im morgendlichen Nebel hiess Lake Louis. Doch dreimal im Kreis gedreht und schwubs verzogen sich die Schleier und gaben einen prachtvollen Blick ueber den See und seine umrandende Bergwelt preis. Verstehe nun auch, warum dieser See der wohl meistbesuchte Spot der kanadischen Rockies ist. Fuer einen Rundgang war ich noch zu faul, so frueh am Morgen, aber die Zeit konnte ich auch so mit Speicherkarten-Fuellen “rumbringen”.
Wieder in Jason´s Renner Platz genommen, ging es den Icefield Parkway in Richtung Jasper National Park. Vorbei an unzaehligen Gletschern, Gletscherseen, Waeldern und Gipfelketten soweit das Auge blicken kann. Das nimmt hier auch gar kein Ende.
Dann, nach ca. 160km im Jasper National Park eingefahren, hiess das erste Highlight Columbia Icefield…groesstes Gletscherfeld suedlich des Polarkreises: 325km². Dieses speist die Urspruenge mehrerer grosser Fluesse, welche gen Norden (Arktischer Ozean), gen Osten (Hudson Bay > Atlantik) und gen Sueden sowie Westen (Pazifik) fliessen. Eine dreifache Wasserscheide sozusagen…beachtlich! Klar, dass Klettermaxe Nitzi da auch mal seinen Fuss drauf setzen wollte. Aber der Klettergemeinschaft, welche sich gerade in eine Gletscherspalte abseilten, wollte ich dann doch nicht folgen.
Somit ging ich dann auch sicher, dass ich Maligne Canyon mit seinen reissenden Stromschnellen und unsere gemuetliche Bleibe, ein Wilderness Hostel mit Wasser von der Handpumpe, ausserhalb von Jasper zu Gesicht bekam.
Dort hatte mein Namensvetter und Eigner der Herberge Sasha bereits ein super leckeres Chilli con Carne bereitet und auch schon den Ofen angeschmissen, sodass wir nach dem Essen in seinem grossen Wohnzimmer noch Tischtennis spielen oder Marshmellows im Kamin roesten konnten…yes, yummy yummy!
P.S. Baeren suchten wir am Rande unserer Strecke vergebens. Nur eine Ansammlung von Touris und ihren Autos bespannten einen Hisch am Waldrand. Richtig! Hat man noch nie gesehen! Is´klar, ne!
Zuvor jedoch, zeigte er uns noch die reissenden und tosenden Athabasca Falls. Gefolgt vom Stutfield Gletscher. Welchen ich jedoch als einziger nicht erklomm, sondern schoen im warmen Bus´le zusammen mit Jason wartete, bis die anderen wieder zurueckkommen wuerden. Es war nicht nur der Grund, dass ich mein Buch “Touching the Void” zu Ende lesen wollte, um es Martin in Roberts Creek wieder zurueckschicken zu koennen, sondern vor allem dass da oben auf dem Gletscher einfach nur Wolken zu haengen schienen. Zuerst hatte mich Jason versucht zu ermutigen, den anderen zu folgen, doch nachdem dies nicht gelang und die anderen ohne mich loszogen, bestaetigte mich Jason mit einem verschmitzten Laecheln: “Die werden da oben nix, aber auch gar nix sehen!”. Hach, was isses schoen warm hier im Bus´le!
Nach einer Stunde waren sie wieder zurueck…mit feuchten Haaren…vom Dunst der Wolken. Habe mir sagen lassen, dass es auch kalt gewesen sei! Na sowas aber auch, tsiss!
Zum Schluss bekamen wir noch die aquamarinen Gletscherseen Peyto Lake und Moraine Lake zu Gesicht. An letzterem konnten wir sogar noch eine etwas bessere Sicht geniessen, indem wir den Geroellberg der Moraene hinaufkletterten.
Und da waren wir auch schon wieder…Banff Downtown.
Am Samstag sind Marta aus Torronto, Kathrin aus Frankfurt am Main (Moose Tour-Mitstreiterin) und ich noch zum Sulphur Mountain hinaufgestapft, um dort einen schoenen Blick ueber Banff und Bow valley zu haben. Wir schlugen uns ganz gut und waren nach gut einer Stunde oben. Obwohl 1,5 Stunden angegeben waren. Oben noch eine kleine Mittagspause und ein paar Fotos auf dem Panorama-Deck, dann ging´s auch schon wieder runter. Denn wir wollten uns ja noch mit den heissen Quellen am Fusse des Sulphur Mountains belohnen. Die beiden Maedels sind mit dann mit der Gondel runter. Ich? Ich war zu geizig und auch zu sehr nach Bewegung lechzend, als dass es mir die Fahrt mit Gondel wert gewesen waere.
Und, was soll ich sagen. Hinuntergerannt, gut in der Zeit gewesen und nicht hingepackt. Das galt aber auch nur fuer 99% des Weges. Wirklich, am letzten kleinen Hang, bevor die Auffahrt zum Gebaeude der Hot Springs anfing, hat´s mich dahingerafft. Schoen auf dem Po den Hang hinuntergeflitzt. Sauber Saschi, die Hose ist reif fuer die Waschmaschine! Mutti wuerde meckern! Egal, die Maedels warteten schon im dampfenden Pool auf mich mit einem wunderbaren Blick ueber das Tal.
Nach dem Abendessen sind Kathrin und ich noch einmal durch die Innenstadt von Banff gelaufen und sind auch in ein paar Shops haengen geblieben…man, was wuerd ich bei dem derzeitigen CAD-EUR-Kurs hier alles einkaufen, wuerde ich nicht noch ein paar andere Laender auf meiner Reiseliste haben. Gott bewahre! ;o)
Am Sonntag traf ich mich dann mit Coen in Banff. Ihn hatte ich bereits an meinem ersten Wochenende in Vancouver ueber Marnie beim Rennradrennen am Seymour Mountain kennengelernt. Er war mit zwei Freunden “kurz” mal uebers Wochenende die 800km von Vancouver nach Banff gefahren, um mit ihnen eine Rennrad-Tour am Samstag zu machen. Mir war´nur recht. So brauchte ich nicht den Greyhound-Bus zurueck nach Vancouver nehmen und hatte im Gepaeckabteil des Vans jede Menge Platz, heisses Material an meiner Seite (Eddy Merkx-Rennrad) und Unterhaltung mit dem OnBoard-Entertainment-System…wir schauten u.a. Borat…”Sexy ti-imes!”
Rocky Mountains & Vancouver. Ja, einigen von Euch habe ich ja geschrieben, dass ich versuchen werde, noch einmal zum Skifahren wiederzukommen. Dafuer kribbelt es mir zu sehr in den Fingern und den Fuessen. Ich moechte auch den Schnee in Nordamerika erleben.
Jedoch, trotz der unglaublichen Kulisse hier, habe ich die ganze Zeit immer an die schoenen Alpen zurueckgedacht. Dort ist es im Sommer noch ein wenig gruener und vor allem auch waermer. Sozusagen ein Ganzjahres-Paradies. Hoffen wir mal, dass wir auch noch ein paar ordentliche Winter mit schoenem Schnee in der Heimat erleben koennen.
Dicker Moose-Grunzer aus Banff,
Sascha
P.S. Hier ein kleiner Nachweis dafuer, wie…naja, sagen wir mal, wie komisch die Nordamerikaner bei der Namensvergabe vorgehen:
“Elk” bedeutet hier nicht “Elch” im direkten Sinne, sondern “Hirsch”. Denn der “Moose” ist der “Elch” den wir kennen. Mag verstehen, wer will…ich jedenfalls nicht.
Fuer Aufklaerung jedweder Art bin ich jederzeit ganz Ohr!
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