Nein, keine Sorge, wir hatten nichts Schlimmes angestellt. Vielmehr hatten uns unsere irischen Maedels von der MTB-Tour Niamh C., Niamh D. und Andrea empfohlen doch mal einen kleinen Abstecher zum Hauptstadtgefaengnis von La Paz und somit auch Boliviens zu machen. Wir fanden es ja schon schraeg genug, dass man dort einfach so hineinkommt und dann auch noch eine Fuehrung bekommen soll. Aber gut, interessant genug hoerte es sich ja an.
Also, machten Jack, Jake und ich uns am Nachmittag auf zum Gefaengnis, welches auch nicht weit vom Zentrum entfernt lag.
Der erste Hammer: 300 Bolivianos fuer eine gefuehrte Tour! Das sind so ungefaehr 32 EUR. Wofuer? Wenn man sich sonst so die Eintrittspreise fuer Museen etc. vor Augen haelt, ist das hier Wucher. Aber auf der einen Seite, wussten wir unsere 5 Bodyguards, welche selbst Insassen des Gefaengnisses sind, zu schaetzen und zum anderen wird wohl auch die Polizei am Eingangstor, wo wir das Eintrittsgeld entrichteten, ganz gut die Hand aufhalten.
In unserem halbstuendigen Rundgang hatten wir nicht einmal den Eindruck, dass wir hier in einem Gefaengnis waeren. Das alles hier sah mehr nach einer riesigen Community aus. Ueberall kleine Essenstaende oder kleine Shops zum Einkaufen von Knabberzeug und Suessigkeiten sowie, nicht zu vergessen, Toilettenpapier. Ganz wichtig! Sonst kommt man hier in Suedamerika nicht durch, wie ich bereits lernen durfte. Telefon, Internet und Restuarants findet man auch hier. Was sonst?! Die Inhaftierten sassen draussen im Innenhof, Kinder und Ehefrauen konnten sie jederzeit besuchen oder lebten sogar mit ihnen hier drinnen. Und unser Guide bestaetigte uns, dass ein Ausbruch ueber das Dach auch eigentlich jederzeit moeglich waere. Auf alle Faelle ueberqueren Kinder auch regelmaessig das Dach, um den Schmuggelhandel aufrecht zu erhalten. Die Insassen sperrten ihre Tueren sozusagen selbst zu. Aha, dachte ich.
Als wir dann die “Krankenstation”, ein kleines Zimmerchen mit Liege und dem Noetigsten fuer die Erstversorgung, sahen, nahm ich endgueltig Abschied von dem Angebot hier mal einen Tag lang einen Inhaftierten zu spielen.
Dann kam der zweite Hammer: Ja, sie haben hier drinnen eine Koka-Fabrik! Die Insassen produzieren ihr eigenes Kokain! So. Festhalten! Reinheitsgrad: 96%! Und in den Staaten, so bestaetigte mir Jack, kommen dann irgendwie nur 30% Reinheitsgrad an…na, Prost Mahlzeit fuer all jene, die auf das Zeug schwoeren.
Prompt kam auch schon die Nachfrage von unserem Guide, ob wir denn nicht etwas kaufen wollen wuerden. 1 Gramm fuer ca. 5 EUR…wieviel zahlt man in der westlichen Welt dafuer? Ich galub´, unter Faktor 10 oder 20 geht da nix…kann ich mir vorstellen.
Zum Schluss unseres Rundganges schauten wir dann noch an einer kleinen Tuer unterhalb einer Treppe vorbei, welche ca. 100 x 40cm gross war. Unser Guide klopfte dreimal an der Tuer und schwubs aalte sich ein kleiner alter Mann aus dem Loch. Haeaeh!?!??!? Wo kommt der denn jetzt her. Nachdem ich einen Blick in die etwa 2,5 m² grosse Stube warf und von unserem Guide hoerte, dass dieser alte Mann bereits seit 30 Jahren dort drin lebte, wurde mir gaenzlich anders. Denn fast der gesamte Raum war ausgefuellt von seinem bescheidenen Bett und hatte auch wirklich nur die Hoehe von etwas mehr als einem Meter!
Dieser Mann musste etwas Grausames begangen haben…so war es auch: vor dreissig Jahren brachte er seine gesamte Familie, Frau und Kinder, um.
Oh mein Gott, was waren wir froh, wieder auf dem sonnigen Vorplatz in Freiheit zu sein.
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