Nachdem wir tags zuvor aus Lima (Peru) nach einer 27stuendigen Busfahrt hier in La Paz (Bolivien) angekommen waren, mussten wir uns erst einmal an die innerhalb von 8 Stunden doch abrupt geanderten Hoehenverhaeltnisse gewoehnen. In Lima und die meiste Zeit der Busfahrt tingelten wir auf Normalnull herum. Doch hier in La Paz zaehlen wir 3.400m Hoehenmeter, sodass hier am ersten Tag gleich einmal Kopfdruck, Schwindelgefuehl beim Kurvenfahren und die recht schnelle Atemlosigkeit stetige Begleiter waren. Hinzukam, dass ich mal wieder um meine breiten Bussessel auf der Nachtfahrt gebracht worden bin. Ganz fit waren wir nicht. Wahrscheinlich gibt es die auch nur Chile und Argentinien. Dort, wo die Distanzen erheblich laenger sind.
Ueberhaupt hatte ich gedacht, etwas fitter zu sein…aber der 15 Meter-Sprint auf die andere Strassenseite befoerderte mich dann gleich einmal auf die Strafbank. Hab´ gepumpt wie ein Maikaefer. Und es dauert dann auch ein wenig, bis der Puls wieder unten ist.Deshalb buchten Jack (Kanada), den ich ja bereits in Venezuela getroffen hatte, Jake (Australien) und ich die Mountain Bike-Tour zur World´s Most Dangerous Road fuer den heutigen Tag. Mit Gravity Tours und ihren echt guten Freeride Bikes von Kona ging es die “World´s Most Dangerous Road” hinunter. Ich sage nur “Gummi-Kuh” oder “Rollendes Sofa”…Igor, mit dem Bike waere ich auch gern unseren “Dosso dei Roveri”-Trail, nahe den Sendemasten, am Gardasee runtergefeuert…OHNE Absteigen diesmal!!! ;o)>
Doch bevor es losging, gab´s noch Fruehstueck fuer uns. Wir hatten gerade bestellt, da meinte Mat, unser schottischer Guide: “Sooo, in 5 Minuten geht´s dann los!” Bitte??? Hoffe, nur die Damen in der Kueche sind schnell genug!
Daraus wurde aber nix. Das Omelette fand noch innerhalb des Cafés den Weg in meinen Magen. Den Fruechtesalat wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen…somit wurde dieser in einem Plastikbecher mitgeschliffen. Na, und der Kaffee? Ich glaub, der steht wohl jetzt noch abholbereit auf dem Tisch.
Da sassen wir nun im Bus. Die Anfahrt zur Death Road dauerte ca. 1 Stunde, welche Mat uns mit seiner verflixt guten Playlist, ein paar Fruechten und ein paar ersten Schauermaerchen zur Strecke versuesste. Natuerlich musste er dann noch zur Entspannung DEN Satz bringen: “Solange Ihr heute das macht, was ich Euch sage, werdet Ihr heute Abend auch wieder gesund im Hostel sein.” Haette er ihn nicht gebracht, so waeren wohl einige gar nicht erst aus dem Bus ausgestiegen. Und bei mir kam so ein komisches Gefuehl von Unbehagen auf, da ich nicht genau wusste was mich erwarten wuerde und ich bei solchen Aktionen meinen Uebermut kenne…der Spielemax halt. All´jene von Euch, die mich bereits beim Mountain Biken, Skifahren, Loeten, Donut-Rutschen im Schwimmbad etc. erlebt haben, wissen wovon ich rede! ;o)
In La Cumbre auf ca. 4.300m Hoehe angekommen schneite es bereits und es war irgendetwas um die Null Grad. Also die von Gravity angebotene Regenpelle angezogen und ab auf die Bikes…fuer eine kurze Einweisung, die erste Testfahrt und die obligatorische Weihe mit 96%igem Alkohol fuer unser Bike, uns und unseren Tag. Danach ging es dann fuer die erste halbe Stunde eine asphaltierte, feuchte Strasse hinab…im Nebel. In den kurven fuehlte ich mich ein wenig wie auf rohen Eiern, da ich nicht wusste welches Grip-Level die Downhillreifen hatten. Viel sicherer fuehlte ich mich dann, als wir auf die Schotterpiste wechselten. Doch in dieser Waschkueche hier beschlugen unsere Skibrillen. Was zur Folge hatte, dass Kontaktlinsentraeger wie meiner einer mit den Sandspritzern in den Augen leben mussten. Ich zumindest nur bis zur zweiten Pause…dann reichte es mir und ich holte mir meine Sonnenbrille aus dem Bus, der immer schoen hinter uns herrollte. Denn ich wollte dieses Bike und diese echt spannende Strecke geniessen und nicht andauernd in meinen Augen herumfummeln.
Ein Gutes hatte es jedenfalls, dass ich zu Beginn, waehrend der Pausen, immer mit meinen Kontaktlinsen zu tun hatte…waren sie einmal sauber, “musste” ich doch meinen Rueckstand auf die bereits losgefahrene Gruppe aufholen. Na, so ein Pech aber auch fuer mich. Da musste ich doch glatt schneller fahren, als der Gruppendurchschnitt! Yeeeeesss! So macht´s Spasss! Zur Mittagszeit liess dann auch der Regen nach, der Himmel riss auf und wir naeherten uns schon wieder angenehmeren Temperaturen. Hach…was ´ne Freude auf dem Hobel diese 46km lange Schotter- und Sandstrasse bis auf 1.100m hinunterzubuegeln. Zum Schluss jagte uns Mat noch doch zwei Baeche. Schoene Erfrischung, denn mittlerweile hatten wir so um die 35 Grad Celsius in der Sonne und hatten immer noch unsere Regenhose an. Dass die Maedels bei der Durchfahrt juchzten, is, glaube ich, klar, ne!?! ;o)
Im Tal angekommen gab´s dann fuer uns erst einmal einen isotonischen Drink auf´s Haus in Form von Bier und unser wohlverdientes Gravity-T-Shirt. Danach noch spaetes Mittagessen…fuer mich mit Lemon Bar UND Cheese Cake als suesser Nachtisch!…bevor es mit dem Bus die ganze Strecke wieder zurueck nach La Paz ging. Mittlerweile hatten wir die ganze Strecke hinauf wunderbare Sicht ueber den bolivianischen Regenwald. Da blieben ein paar Schnappschuesse mit der Kamera nicht aus. Viel furchteinfloessender war jedoch, dass wir nun auch die ganzen Haenge in ihrer ganzen “Pracht” bestaunen konnten…da ging es halt auch schon einmal 70-100m auf der einen Seite hinunter. Aaaaah! Waehrend des Fahrens ist man ja bei der schlechten Sicht eh zu sehr mit dem Handling des Bikes beschaeftigt, als dass man einen Blick fuer die steilen Abhaenge haette. Aber nun! Die Geschichte von Mat ueber das franzoesische Maedchen, welches vor gut 2,5 Jahren 70m in die Tiefe gefallen ist und dann nicht gleich gestorben ist, aber aufgrund eines zu kurzen Rettungsseils auch nicht gerettet werden konnte, unterstuetzte unser Befinden nicht wirklich. Wo ist das naechste Bier fuer mich? Jetzt trink ich auch mal eins!
Mat hatte uns noch weitere Ereignisse der letzten Jahre geschildert. Auch auf einer seiner Touren. Den Mann, welcher 10m tief fiel, konnte er jedoch retten. Denn Gravity hat ausgebildete und gut ausgestattete Guides im Einsatz. Nur einen Sturz ueber 100m hinaus wollte er uns nicht empfehlen. Denn dann wuerde auch sein Seil nicht mehr ausreichen…aber wer ueberlebt das schon?!
Trotzdem strahlten wir alle im Gesicht, als wir abends wieder in La Paz im Hostel ankamen. Super geschafft, aber einen der wohl besten “Reisetage” gehabt. Das meinten selbst die Maedels. Auch hier bestaetigte sich einmal mehr, dass nicht nur das Entertainment eines Guides entscheidend ist. Vielmehr ist die Truppe, mit der man unterwegs ist, ausschlaggebend…und wir hatten das Glueck in einer richtig guten gewesen zu sein.
Video zur World´s Most Danerous Road - Quelle: ARD Tagesschau > Weltspiegel
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