Von Mancora nach Lima in 18 Stunden und von Lima nach Arequipa in 14 Stunden via Bus ca. 1.700 km entlang der Pazifikküste von Peru…und schon war ich innerhalb von zwei Tagen aus dem Norden Perus in den äußersten Süden des Landes gereist. Ich brauche endlich wieder ein normales Bett’sche!!!
Nach all dem Hin- und Hergereise mit Jack und meinen irischen Mädels, welche gen Ecuador und Kolumbien aufbrachen, möchte ich nun endlich wieder meine ursprünglich geplante Route aufnehmen…gen Süden, die Anden entlang, bis hinunter nach Feuerland.
Arequipa, aufgrund der hellen Gebäude sowie der hellhäutigen Einwohner, auch die weisse Stadt genannt, ist neben Cusco ein weiteres kulturelles Zentrum Perus. Der Hauptplatz im Zentrum der Stadt, in jeder zweiten südamerikanischen Stadt auch „Plaza de Armas” genannt, ist wohl einer der schönsten auf dem Kontinent. Vor allem wenn selbst zu später Stund’ um die geometrischen Begrünungen herum noch reges Treiben herrscht. Wenn junge peruanische Pärchen turtelnd auf den Treppenstufen der Kathedrale sitzen oder Eltern auf den Bänken sitzend ihren Kindern beim Fangespielen zuschauen.
Für mich jedoch viel entscheidender: Arequipa ist darüber hinaus auch kulinarischer Schmelztiegel des Landes…yummy yummy! Nachdem ich also mein Armband zur Reparatur gegeben, mir ein original gelbes Inka Cola-Shirt gekauft und für den kommenden Tag meinen 3-Tages-Colca Canyon-Trip gebucht hatte, beschloss ich den ersten Tag mit einem Chicken-Döner beim Türken…ordentlich mit Knobi und Salsa Picante. Ich habe selten einen so guten Döner* ausserhalb der Stadtmauern Berlins und dessen brandenburger Umland gegessen…wow!
Nach einer sehr kurzen Nacht ging es dann um 4:30 Uhr auf in den Colca Canyon. Dem weltweit zweittiefsten Canyon, welcher aber mit dem dagegen zierlich wirkenden Grand Canyon rein optisch nicht mithalten kann…Dank an Anja’s Beweisfotos. Dennoch waren die drei Tage für uns alle sehr eindrucksvoll und auch sehr unterhaltsam. Nicht zuletzt aufgrund unserer beiden tollen Führer Carlos & Carlitos (Karl & Karlchen), die uns das abgeschiedene Leben der Menschen im Canyon und auch die Natur eindrucksvoll näherbrachten. An dieser Stelle versprach der Slogan der Agentur nicht zuviel: „We go the extra mile” (ugspr.: Wir bieten Ihnen mehr als Standard). Selbst wie Kriegsbemalungen hergestellt oder Textilien aus Kakteen-Samensprossen gefärbt werden können, zeigte uns Carlitos.
Nachdem wir am ersten Tag über einen langen (Hin-)Ab- und Aufstieg in einem Dorf übernachteten, folgte am zweiten Tag dann der Abstieg zur Lagune mit eigenem Pool. Irgendwie schon dekadent, aber nach all dem Gewandere im Staub und der Hitze war es dann doch eine willkommene, aber schon irgendwie bizarre Belohnung zur Mittagszeit. Um uns herum überall sattes Grün und an den steil aufragenden Hängen herniederrinnende kleine Wasserläufe. Schaute man jedoch 50 Meter höher so konnte das Auge nichts anderes als gelb-graues Gestein und Staub erblicken.
Von Carlos & Carlitos kulinarisch wohl gestärkt setzte sich die gut 20köpfige Karavane in Bewegung. Galt es doch nun für uns all die Höhenmeter, die wir am ersten Tag und am Vormittag zurückgelegt hatten, auch wieder zu erklimmen. In Zahlen ausgedrückt: Von 2.100m zurück auf 3.300m aufsteigen. Die Unterhaltungen beim Aufstieg mit den immer mal wieder wechselnden Weggefährten innerhalb der Gruppe entschädigten dann doch. Selbst der Duft der „Pferdeäpfel”, mit welchen die Mulies und Esel den Pfad regelrecht zupflastern, wusste mir auf eine angenehme und vertraute Art und Weise zu imponieren. „Aha, Herr Nitze”, dachte ich, „ist’s schon soweit?!” Da kann ja Winona (“IM Mathe”) gleich mal den Papa (derzeitig „Matt Schwarz”) beauftragen, für die Zeit nach meiner Heimkehr den Kaninchenkäfig zu erweitern, sodass ich dort dann schlafen und von meiner Nichte entspr. gefüttert werden kann. Hoffe nur, sie macht das dann regelmässiger als mit ihren Kaninchen…so nach dem Motto: „Vergiß’ mein nicht!” ;o)
Nach dem Planschen in den heißen Quellen am dritten Tag erfüllte mir Carlitos auf der Rücktour nach Arequipa noch den Wunsch einen wunderschön anmutenden weiß-grauen Adler auf meine Schultern nehmen zu können. Hatte ich doch am Morgen des ersten Tages am Kondor-Aussichtspunkt einen höllischen Schreckzustand beim Blick durch meine Zoom-Linse erlitten. Bei der Vergabe von Schönheit im göttlichen Endausscheid müssen die Kondore geschlafen haben, anders ist dieses hängende Etwas in ihrem Gesicht nicht zu erklären.
In den Tagen danach erkundete und genoss ich noch Arequipa und versuchte schon einmal vorab verschiedene Aktivitäten für die kommenden Tage und Wochen zu planen. Doch nichts schien richtig zu gelingen, nichts zu passen. Weder die Besteigung eines 6.000er Berges hier in Arequipa oder in La Paz (Bolivien), wohin ich als nächtes reisen würde, wollte aufgrund von geringer Nachfrage oder derzeitiger Regensaison funktionieren. Würde doch Niamh (eines der irischen Mädels) alleinig auf einem 6.000er gestanden haben. Noch eine abermalige Mountainbike-Tour (Singletrail) in La Paz oder eine Rückkehr zum purpur-weissen Salzsee von Uyuni schien logistisch oder zeitlich machbar. Somit verlasse ich Arequipa mit einem etwas geknickten Gefühl und mache mich auf die nächste Etappe über den Titicacasee nach La Paz. Echt oll! Da kann ich ja gleich weiter nach Chile fahren.
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* Zur Erinnerung an alle Münchener: Was auch immer es war, das Ihr letzte Woche unter dem Namen „Döner” gegessen habt, glaubt mir, es war KEIN Döner! „Es gibt keinen Döner in München!” Pilgert in die heilige Dönerhauptstadt Berlin und lasst Euch bekehren.
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