In aller Früh’ (6:45 Uhr) ging’s heute Morgen für einen Tagesausflug ab zum Hafen von Puno, um die schwimmenden Schilfrohrinseln der Uros auf der peruanischen Seite des Titicacasees und darüber hinaus noch die strickenden Männer auf der Insel Taquile zu sehen. Sehr beeindruckend, wie die Menschen hier im Altiplano (Andenhochland) auf 3.800m mit Ihrem täglichen Leben unter einfachsten Verhältnissen zurechtkommen…selten Warmwasser, selten Strom und die Oma sitzt auch noch strickend am Wegesrand. Und bei all dieser Einfachheit fallen mir doch stetig die wunderschönen Farben Ihrer Kleider auf…so bringt man halt auch ein wenig Farbe ins Leben. Und unsere Mitbringsel in Form von Malheften für die Kinder oder Früchte im Allgemeinen etc. wurden gern genommen. Na, und der Titicacasee ist einfach nur schön. Stellt doch sein strahlend blaues, glasklare Wasser als Wärmespeicher der Region auch die Möglichkeit in dieser Höhe bereit, Gemüse anbauen zu können und somit den Einwohnern u. a. die tägliche Nahrung zu sichern. Dazu noch die satte Farbenpracht der Natur auf den Inseln. Wow!
Aufgepasst Männer, hier oben läuft’s jedoch anders als im 6 Stunden entfernten Cobanaconde, nahe Arequipa: Hier wird Monogamie gaaaanz groß geschrieben! Und solltet Ihr doch erwischt werden, dann geht’s raus zur Mitte des arschkalten Titicacasees und Ihr werdet dort ausgesetzt. Sprich, Ihr habt die Chance nach daheim zu schwimmen…bei den jedoch mindestens 30 anstehenden langen Kilometern hat das dem Hörensagen nach noch keiner überlebt ;o) Quintessenz: Schön den Zipfel daheim lassen!
Anmerken muss ich bei all den Erlebnissen dennoch, dass mich halt immer noch meine Kleinstrückschläge plagen…kein Singletrail in La Paz, keine Besteigung eines 6.000ers, keine lust’gen Fotos auf dem Salzsee mehr und eben auch der Besuch des neuen Paranal-Observatoriums im Norden Chiles fällt flach. Dazu noch der Fakt, seit Wochen schon nur von trockener Erde, Sand, Gestein umgeben zu sein…bis auf ein paar Ausnahmen kein wirklich dauerhaft sattes Grün. Ich spüre, dass mir nicht mehr wirklich nach endlosen, trockenen Weiten in Peru oder Bolivien und eben auch dem Titicacasee ist. Ich möchte raus hier…zeitnah!
Wenigstens hat meine Reservierung für die 3-Tagesfährfahrt von Puerto Montt nach Puerto Natales funktioniert. Wenigstens etwas hier. Über Silvester geht’s also mit dem Schiff von Chiles Nordteil Patagoniens vorbei an Gletschern und Fjorden zum Südzipfel von Südamerika. Ich möchte nur noch so schnell wie möglich nach Patagonien. Meinem eigentlichen Reiseziel hier in Südamerika…Grün…Anmutende Berge…Grün…Rauschende Flüsse…Sattestes Grün! Bin ich schon „(farben-)krank”?! ;o)
Patagonien! Dieses für mich mittlerweile so mysteriös reiche und machtvolle Wort…dieser Ort hat sich über die letzten Jahre so in mir verankert und weckt so viele Erwartungen, dass ich hoffe, nicht enttäuscht zu werden. Sollte es wider erwarten doch so kommen, dann hab’ ich mir das selbst eingebrockt. Doch kann und möchte ich diesem in meiner Gedankenwelt gar keinen warmen Platz am Ofen bieten.
Nach dem Titicacasee-Ausflug habe ich in der Fußgängerzone von Puno noch Lynda aus Quebec wiedergetroffen. Ich hatte sie am Tage schon auf einem der Ausflugsboote gesehen. Und so beschlossen wir mit einem gemeinsame Abendessen und anschließend spontan arrangiertem Kulturprogramm (farbenfroher Festumzug und Capoeira-Party auf der Strasse) den Tag zu beschliessen.
Von Kindererziehung über ihr Lehrerdasein bis hin zu eigenen Lebensträumen und -Vorstellungen war irgendwie alles dabei…wir hätten wohl ewig weiterschwätzen können.
Doch eine nette, recht simple, von ihr geschilderte Perspektive, welche ich in abgewandelter Form schon vor meiner Abreise gelesen hatte, ließ mich mit einem kleinen, zufriedenen Schmunzeln auf meinen Lippen an diesem Abend einschlafen:
Demnach gibt es im Leben eine Beziehung zwischen Liebe und Angst. Gewinnt die Angst die Oberhand, so wirst Du in Deinem Sein und Tun gebremst. Die Liebe hingegen befähigt Dich…treibt Dich u. a. mittels Leidenschaft in jeder Situation Deines Seins und Tuns. Und wenn wir nun ein wenig darauf achten, in uns hineinhorchen, woher oder warum in einer jedweden Situation die Befürchtung in uns aufsteigt, dann haben wir den ersten Schritt getan. Und ich denke, dass u. a. an dieser Stelle der Weg zu einem etwas „bewußteren” Leben anfängen kann.
Und es war so schön zu sehen, wie Lynda gestrahlt hat. Mit welcher Begeisterung sie von sich und ihrem Tun, ihren Ansichten gesprochen hat. Ansteckend! Und das ohne irgendeine Religion…sie hat sich Ihren Lebensleitpfaden oder vielleicht auch Ihr Lebenshandbuch, wie immer man es nennen möchte, selbst erstellt.
Für mich gilt es dann also u. a. herauszufinden, wo die Angst bei meinen jeweiligen „Baustellen” ihren Ursprung hat. Wo ist der Quell, der mich hier und da noch hadern lässt?
Schade, dass sie weiter gen Norden geht. Aber der Kontakt nach Quebec steht ja mittels elektronischer Post…
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